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Reflektionen auf der Haut

Haut. Sie umhüllt. Schützt. Umgibt uns. Ist Barriere.
Ist Durchlässig. Verwundbar. Strapazierbar. Manchmal rau. Zart. Gereizt. Weich. Blass.Rosig.Berührung der Haut. Sinnlichkeit. Nähe. Vertrauen. Geborgenheit. Spiegel … So vieles zu assoziieren.
Wir haben Umschreibungen wie „sich dünnheutig fühlen“ – „aus der Haut fahren“ – „sich sinnbildlich häuten und Altes ablegen“ – „sich unwohl in seiner Haut fühlen“. Alle haben wir eine ganz eigene und intime Beziehung zu unserer Haut.

Seit ich denken kann, habe ich meine Haut als Lehrerin wahrgenommen. Ich habe sie gehasst. Geliebt. Umsorgt. Gepflegt. Vernachlässigt. Bedauert. Hab ihr gedankt und sie abgelehnt.

Sie hat mir all die Jahre viel aufgezeigt. Mich zur Verzweiflung gebracht. Zum Nachdenken. Zum Weinen. Zum Lachen. Hat mich gelehrt auf mich besser acht zugeben. Hat mich geschützt. Gewarnt.

Haut. Sie wird auch Spiegel der Seele genannt. Wie die Augen als Tor angesehen werden.

Ich bin über die Jahre viel gelassener und entspannter geworden. Auch bei Schüben, in denen meine Haut wie ein rotes Signal auf leuchtet und mich aufzufordern scheint, hin zusehen, hin zu spüren.
Wenn es unerträglich wird. In der Güte zu bleiben. Auch wenn es brennt. Juckt. Schmerzt. Energie zieht.

Hierbei meine ich gar nicht zu sehr, in den Kopf und in den Verstand zu gehen, um Zusammenhänge zu prüfen. Zu grübeln und zu zerdenken, warum meine Haut jetzt gerade so ausrastet und heftig reagiert.

Ich meine viel eher, in mich zu gehen. Ohne Selbstmitleid oder einer Art Opferhaltung. Auch nicht in einer Identifikation damit.
Meine Haut als Teil von mir spiegelt mir etwas, zeigt mir etwas auf. Ich bin eingeladen, damit umzugehen. Aufmerksam und liebevoll mit mir zu sein. Mich anzunehmen, so wie ich bin. Mich nicht abzuwerten. In den Widerstand zu gehen. Mit einer Haut, die nach Aussen Abwehr signalisiert. Nicht dem Ideal entspricht. Nicht glatt und eben ist. Das werden sicherlich diejenigen unter Euch besonders gut nachfühlen können, die das am eigenen Leib erfahren und denen das vertraut ist.

Ich habe erlebt, dass diese starken Reaktionen oft – nicht immer – auftreten, wenn meine Haut die Aufgabe zu übernehmen scheint, mich abzugrenzen. Mich zu schützen, weil ich es selbst gerade nicht wahrhaftig tue. Pauschal lässt sich nichts hier schreiben, es ist komplex. Aber dennoch will ich intuitiv ein paar Zeilen formulieren:

Lernen zu mir selbst zu stehen. Mich im positivsten Sinne abgrenzen und mir eine Form geben. Eine Haltung. Die es mir erlaubt, mich zu zeigen. Zu äussern. Sichtbar zu werden. Indem ich wahrhaftig fühle und benenne – erst mal für mich selbst – wie es mir geht und was meine Haltung und Meinung zu etwas ist. Selbst und gerade momentan auch, wenn diese Meinung nicht Konsens ist. Wenn ich damit anecke. Sei es im nahen Umfeld oder im größeren gesellschaftlichen Diskurs.

Gerade emphatische Menschen mit einem Hang zu Harmonie werden das sicherlich sehr gut kennen. Überall kann ich verstehen und verschiedene Sichtweisen nachvollziehen und einnehmen. Ich kann mich grenzenlos einfühlen, so dass ich eher das Thema habe, das ich gar nicht mehr genau spüre, wo meine gesunden Grenzen denn sind. Dieses „bei mir bleiben“ und dadurch auch fähig sein, sich zu zeigen, das ist für mich eine der großen Lehren, die mir meine Haut erteilt.
Und eben auch die Haltung haben zu können, Vieles zu verstehen und nachvollziehen zu können! Nicht auf die eine oder die andere Seite zu gehen und dort zu stehen. Nein. So ist es eben oft nicht wie ich es wahrnehme. Und das ist nicht sofort gleichzusetzen mit Unkonkretheit oder „Wischiwaschi“.

Ich übernehme die Verantwortung für mich, liebe Haut. Ich danke Dir für Deine Signale. Ich liebe Dich, so wie Du bist.
Durch diese Annahme meiner Selbst, durch das „Zu mir stehen“ und klar in mir zu sein, dadurch fällt Unsicherheit, Enge und Zweifel ab. Und ich erlaube mir, zu sein wie ich bin! Sowie ich es allen auch wünsche. Und uns so begegnen. In gegenseitiger Annahme.
Von Herz zu Herz.

Fühlt Euch gesehen. Berührt. Sachte und achtsam.
Gebt auf Euch 8
Alles Liebe zu Euch
Charis

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