Gedankengänge Let`s jump!

die Weite, die uns alle umgibt


Es erfordert Mut und Vertrauen, sich seinen Ängsten und seinen Abgründen zu stellen. Gewisse Themen werden uns immer und immer wieder aufsuchen, bis wir uns voll und ganz mit ihnen auseinander gesetzt haben. Sie kommen aus dem Inneren hoch geblubbert, sie zeigen sich im Äusseren durch Umstände, treten in Beziehungen zu Tage.
Nicht immer haben wir die Zeit und die Kraft dazu. Manchmal ist es auch so, dass die ständige Beschäftigung mit leidvollen Themen einen immer mehr in Beschlag nimmt und in eine Art zwanghaftes Grübeln übergeht und zu nicht enden wollenden Gedankenspiralen ausartet. Dadurch legt sich ein Filter über unsere Wahrnehmung und egal wie schön es im Aussen auch gerade sein kann, wir nehmen alles wie durch einen grauen Schleier wahr. Wie können wir fröhlich sein, wenn da doch etwas ist, was uns überlagert? Was uns bedrückt? Was an uns zu kleben scheint, wie ein lästiger Kaugummi oder Hundescheisse, in die wir getreten sind?

Es ist auch ein bisschen so, als ob wir mit Gedanken in unserm Kopf Squash spielen. Irgendwann wird aus einem Ball gefühlte 100 Squaschbälle, die wie verrückt und in einem irrwitzigen Tempo an unsere Gehirnwände prallen. Immer und immer wieder. Hin und her. Anstatt sie einfach mal auf dem Boden liegen zu lassen, hauen wir immer weiter auf sie ein, weil wir uns von ihnen bedroht fühlen und weil sie auch ganz schön weh tun, wenn sie uns permanent treffen. Also schlagen wir sie von uns weg….was aber zur Folge hat, das sie immer weiter auf uns zu fliegen werden. Endlos. Wir sind getresst und körperlich total verspannt. Bis wir uns dafür entscheiden, den Schläger sinken zu lassen. Das erscheint aber erst mal sehr bedrohlich. Denn wir haben gelernt, dass wir uns verteidigen müssen, wenn wir angegriffen werden. Wir wollen uns doch schützen. Wir müssen es doch gerade zu! Diese ganzen Sqaschbälle erscheinen uns wie eine Bedrohung, die wir kaum mehr unter Kontrolle haben. Und genau das macht ja auch Angst. Keine Kontrolle über etwas haben. Sich ausgeliefert fühlen. Hilflos sein.

Um eine Übersicht über die Anzahl der Bälle zu bekommen, die da Herumschwirren, kann es für`s Erste schon mal hilfreich sein, nicht mehr so feste mit dem Schläger um sich zu hauen. Dann verringert sich automatisch das Tempo der Fluggeschosse. Wir erkennen auf einmal besser, was da so an Bällen in Bewegung ist. Ein paar davon bleiben vielleicht schon auf dem Boden liegen. Und dann ist da dieser eine Ball, der mit hohem Tempo herumspringt. Dieser eine Ball, der uns am meisten ängstigt, weshalb wir ihn mit großer Anstrengung immer und immer wieder fern von uns halten wollen. Wir lokalisieren Angst und Beklemmung in unserem Körper. Vielleicht in der Herzgegend, im Magen, im Hals, unser Kopf tut weh. Um uns diesem Ball zu stellen, sollten wir uns klar machen, dass wir mit den Füssen fest auf dem Boden stehen.

Wir sollten aus dem Kopf hinunter sinken in unseren Körper. Um uns unseren Themen zu stellen, reicht es nicht aus, dies nur mit dem Verstand tun zu wollen. Denn der Verstand ist wie der Schläger, mit dem mir unermüdlich in unserem Kopf auf die Bälle eindreschen. Sinnbildlich lösen sich Themen, die uns bedrücken und „um die Ohren fliegen“ nicht alleine durch Denkprozesse des Verstandes auf. Zumal erst recht dann nicht, wenn der Verstand von Angst gesteuert wird.

Atmen. Unser Atmen ist immer da. Hinter die Gedanken treten. In`s Herz fühlen. Das verlässlich schlägt. Und dann diesen einen Ball, der uns am meisten geängstigt hat, aufheben. Ihn betrachten. Ohne Angst, ohne Groll, ohne Verurteilung. Einfach nur wahrnehmen. Wie sieht er aus? Wie fühlt er sich an? Was will er WIRKLICH mitteilen? Woher kommt er? Vielleicht ist es gar kein Squashball. Vielleicht ist es ein Gegenstand aus einer ganz anderen Zeit. Vielleicht hat er mit uns eigentlich gar nicht direkt zu tun. Und vielleicht betrachten wir ihn dann aus dem Herzen heraus und er verliert seine Bedrohlichkeit. Wir legen ihn wieder auf den Boden und er ist einfach nur das was er ist. Er fliegt uns nicht mehr um die Ohren. Bedrängt und ängstigt uns nicht mehr. Wir kommen zur Ruhe. Und vielleicht gehen wir auch einfach raus aus der Squash Halle.

Wir gehen in die Natur. Vielleicht in den Wald. An einen Fluss. In die Berge. An`s Meer. Wir spazieren durch die Felder, lassen uns auf dem Rad den Wind um die Ohren wehen. Und wir spüren eine Freiheit. Eine Freude, die hinter all diesen fliegenden Gedanken- Squash -Bällen und Gegenständen schwingt. Sie ist immer da. Sie erwartet uns. Sie begrüßt uns und heisst uns willkommen. Und es ist, als würden wir nach Hause kommen. In die Tiefe unseres eigenen Herzens. In die Weite, die uns alle umgibt und durchdringt.

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