Gedankengänge

Auf Kaffee & Kuchen mit unseren Dämonen

Stellen wir uns mal vor all unsere Sorgen, nagende Zweifel, Ängste, all unsere Wut, Scham, Schuldgefühle und Komplexe wären kleine Dämonen, die in unserem Unterbewussten hausen.
Von Zeit zu Zeit schwingen sie sich aus ihrem Kellerdasein empor,
und wirbeln unser alltägliches Bewusstsein ordentlich durcheinander.
Sie plustern und blähen sich mächtig auf, so dass sie viel größer und furchtsamer wirken, als sie tatsächlich sind.
Sie rasseln mit ihren Ketten, winseln und wimmern, brüllen und grölen, dass wir vor
Schreck Schluckauf bekommen und uns nichts sehnlicher wünschen, als dass sie wieder verschwinden.
Somit schmeissen wir sie fahrig zurück in den Keller, wenn wir genug Beherrschung
über unser Unterbewusstsein haben und basteln ein noch dickeres Sicherheitsschloss, um sie uns vom Leib zu halten.
Ignoriert zu werden, scheint für diese Kreaturen jedoch gerade zu nahrhaft zu sein.
Sie wachsen und gedeihen in ihrem unterirdischen Verlies. Poltern und rumoren.
Und irgendwann, ist es dann wieder so weit und sie knacken die Schlösser, entschlüsseln die Geheimcodes, sprengen die Falltüren.
Et voila! Die Dämonen sind zurück und übernehmen die Schaltzentrale.
Und das Brüllen und Lärmen scheint noch etwas lauter, unerbittlicher, fordernder.
Anstatt panisch mit den Händen zu wedeln und sie diesmal vielleicht mit Tränengas
und Pfefferspray zu bekämpfen, machen wir mal folgendes:
Wir laden sie zu einer gemütlichen Runde Kaffee und Kuchen ein!
Lassen wir also unsere Abwehrmechanismen fallen und breiten wir unsere Arme aus!
Sagen wir: WILLKOMMEN, BIENVENUE, WELCOME!
Begegnen wir ihnen mit all unserer Liebe, Wärme und Mitgefühl.
Wir fragen sie höflich, was sie gerne hätten.
Dann packen wir ihnen Schokoladenkuchen und Himbeertorte auf den Teller.
Servieren ihnen heisse Schokolade, Kräutertee, Kaffee und Champagner, je nach
Wunsch. Und dann nehmen wir uns in aller Ruhe die Zeit, ihnen zuzuhören.
Wir lauschen ihren Geschichten, ihren Klagen und ihren Nöten.
Viele erzählen, dass sie schon bei unseren Vorfahren im Kellergewölbe gelebt haben.
Und plötzlich werden die furchterregenden Grimassen sanft und milde.
Kullern hier und da riesige Tränen und aufgeplusterte Fälle glätten sich.
Wir tätscheln große Dämonenpranken und reichen Taschentücher herum.
Und wir beginnen, diese Wesenheiten zu verstehen, begreifen, warum sie all die Jahre
in unserem Unterbewussten rumort haben.
Wir weinen mit ihnen, lachen mit ihnen.
Schenken ihnen unsere Aufmerksamkeit und Anteilnahme.
Auf einmal sehen wir sie mit anderen Augen. Unsere Herzen werden leichter.
Am Ende nehmen wir jeden einzelnen in den Arm.
Manche Dämonen geben uns die Hand und verlassen uns.
Andere bleiben noch eine Weile bei uns im Unterbewusstsein hausen.
Jedoch verbarrikadieren wir die Kellertür nicht mehr, sondern hängen ein Schild hin:

LIEBE DÄMONEN, ZUTRITT ERLAUBT! IHR SEID IMMER HERZLICH WILLKOMMEN
AUF KAFFEE & KUCHEN VORBEI ZUSCHAUEN!

Share This:

Leave a Reply